Dieser Ladislaus Flötenmeyer war ein noch junger
Mann, als ich ihm das erstemal begegnete. Frauen hätten ihn wohl als
hübschen Kerl bezeichnet, wenn er nicht immer so gewaltig gerülpst
hätte, und das mit einer Kraft, die einem das Trommelfell zerstören
konnte. Aber sonst war er fröhlich und liebte es seinen Freunden,
die er trotz allem hatte, Streiche zu spielen. Darum wurde er auch
nur liebevoll „der Lümmel” genannt, und nicht weil er einen
besonders großen Piephahn hatte, obwohl ich dieses natürlich nicht
beurteilen kann und will. Er war fleißig und konnte besonders gut
mit unserem Kran umgehen. Das neue Leitpferd Theodor gehorchte
Ladislaus Flötenmeyer mehr als mir. Was mich natürlich etwas
wurmte. Aber wichtig war, daß der Hafenumschlag in Bremerhaven
lief.
In seiner Freizeit tat er sich als Meister des
Kürbis-Weitwurfs hervor, damals eine sehr beliebte
Sonntagsbeschäftigung. Im Steckrüben-Golf war nicht ganz so
erfolgreich, da blieb er hinter Balduin Schmalzkarsky, einem Armenier
aus Kitzbühel, ewiger Zweiter.
An
einen Streich des gebürtigen Südfriesen, dessen Mutter als
Zugehfrau bei Pastor Besenbein in Kirchwistedt arbeitete, kann ich
mich besonders gut erinnern. Es muß im November oder Dezember des
Jahres 1710 gewesen sein. Damals legten sehr viele englische Schiffe
an und löschten tonnenweise Plumpudding. Diese Ladung forderte
unsere Kranpferde besonders, da der Plumpudding sehr schwer war. Als
Ladislaus sah, wie ein englischer Seemann dem armen Theodor mit einem
Plumpudding fütterte, kam Ladislaus leider zu spät, um dieses zu
verhindern. Theodor machte während des Versuchs es zu verdauen einen
unglücklichen Eindruck und seine Leistungsfähigkeit ließ
entsprechend nach. Erst als die Pferdeäpfel seinen Körper
verließen, ging es ihm langsam besser. Als einer meiner Assistenten
und ich diesen gehaltvollen Mist entfernt hatten, nahm Ladislaus
voller Tatendrang und wilder Gedanken die Verfolgung des Engländers
auf, der humpelnd längst sein Schiff erreicht hatte. Der englische
Seemann der „Hunter of any Animals” hatte nämlich ein
Holzbein.
Entschlossen enterte Flötenmeyer das Schiff und
zerschmetterte mit einem gewaltigen Schlag die Gehhilfe des Mannes.
Zersplittert hing das Holzbein am Stumpf des Matrosen, der sich
glücklicherweise beim Fallen nicht weiter verletzt hatte. Aber als
die anderen Besatzungsmitglieder der „Hunter of any Animals”
ihren Landsmann hilflos an Deck liegen sahen, war es um Ladislaus
Flötenmeyer geschehen. Widerstand war zwecklos. Die Seeleute griffen
sich den Südfriesen, der übrigens die damals größte
Heftzweckensammlung - ein nervenaufreibendes Hobby - sein eigen
nennen konnte, und banden ihn zwischen Baum und Mast fest. Meine
Leute und ich konnten ihm nicht helfen, denn die Übermacht der
englischen Seeleute, die nun auch
noch Hilfe von den anderen Schiffen bekamen, war einfach
überwältigend. Ladislaus Flötenmeyer hing nun als lebende
Verbindung zwischen Baum und Mast. Dann stach das Schiff in See.
Leider wehte es an diesem Tag auch noch sehr heftig, und um den armen
Ladislaus drehte sich der nun schwenkbare Baum. Er machte die Sache
unfreiwillig so gut, daß der Lümmel in die Seefahrt einzog. Denn
bis zu diesem Tag hatte noch niemand an die Möglichkeit gedacht,
einen senkrechten Bolzen zwischen Mast und Baum zu setzen, um den
sich ein schwenkbarer Baum (Ladebaum, Baum eines Segels) drehen und
so die Arbeit an Bord erleichtern konnte. Das durch Flötenmeyers
Rülpserei das Schiff besonders schnell wurde, kann sich ja jeder
denken, nicht wahr? Aber das er ein Jahr später von den Engländern
engagiert wurde, um für sie den Admirals-Cup rülpsend zu erringen,
ist vollkommener Blödsinn.
Also, um es einmal
zusammenzufassen, dieses Verbindungsstück heißt nicht Lümmel, weil
es wie ein Phallus-Symbol aussieht, sondern es ist nach Ladislaus
Flötenmeyer benannt, der damals nach einem kurzen Törn von den
innovativen Engländern freigelassen wurde.
Übrigens
übergab ich dem holzbeinlosen Matrosen eine Kollektion
zusammengebundener Laschhölzer, die ihm als Ersatz für seine
Gehhilfe dienten. Nebenbei gesagt war sein Gang danach nicht
sonderlich elegant, aber in der Not war es besser als nichts.
So
entstand in der Seefahrt der Begriff Lümmel.
Oder wenigstens
so ähnlich. Nicht wahr?