Heinrich
der Seefahrer und die Warenströme
Der
Infant von Portugal Dom Henrique o Navegador - besser bekannt wurde der
Prinz als Heinrich der Seefahrer - lebte zwischen 1394 und 1460 und war
ein großer Förderer der Seefahrt. Er initiierte Entdeckungsfahrten
entlang der westafrikanischen Küste und ebnete Portugal den Weg zu
einer großen See- und Kolonialmacht. Unter Heinrich wurden u. a. die
Azoren und die Kapverden entdeckt.
Die erste Karavelle (portugiesisch: Caravela) wurde 1441 in Lagos auf
Anweisung Heinrichs gebaut. Sie war das erste europäische Segelschiff,
das gegen den Wind kreuzen konnte und so einen bedeutenden Beitrag in
der Geschichte der Seefahrt und der Entdeckung der Welt leistete. Unter
der Anleitung von Prinz Heinrich dem Seefahrer wurde die Karavelle auf
Basis der Hansekogge entwickelt. Er hatte dazu holländische Schiffbauer
nach Portugal geholt. Die Karavelle wurde mit dreieckigen
Lateinersegeln und mit anfangs zwei, später auch mit drei Masten
gebaut. An den vorderen Masten wurden teilweise auch Rahsegel
verwendet. Wie bei den späteren Hansekoggen lag das Ruder mittschiffs.
Aufgrund ihres schlankeren Rumpfes und der Lateinersegel konnte die
Karavelle besser kreuzen, als die bis dahin üblichen Schiffstypen.
Durch den geringen Tiefgang eignete sie sich besonders gut für
Expeditionen an fremde Küsten.
Heinrich der Seefahrer, der nie zur See gefahren sein soll - obwohl er
die Festung Ceuta, die an der nordafrikanischen Küste liegt, 1415
eroberte, und zur Belohnung Herzog von Viseu wurde - und sich
nicht nur um die Entwicklung der Caravela, sondern auch voller Inbrunst
um die Verbreitung von Caramelo kümmerte, muss als arges Leckermaul
bezeichnet werden. Bei Caramelo handelt es sich schlicht und einfach um
Karamel. Und Karamel vertilgte Prinz Heinrich in jedweder Form und
Menge. Die Figur litt wohl etwas darunter, aber eine andere Art
intensiver Freizeitbeschäftigung machte dieses wieder wett. Ich sage
nur ein Wort: Frauen. Aber mit den Jahren entschied er sich immer mehr
für das Karamel.
Man wird eben älter, Leute, und der Vorwurf: „Auf müden Heinrich
machen“ findet seinen Ursprung bei Cara Haschmich - daher Caravela und
Caramelo, klar? - aus dem Burgenland, die seine größte Liebe war. In
welchem Zusammenhang dieser berühmte Spruch gefallen ist, kann sich ja
wohl jeder denken? Da kannte die gute Cara keine Gnade: „Na, willst du
wieder auf müden Heinrich machen, was?“
Man kann sich vorstellen, wie sich Heinrich dann gefühlt haben muss.
Was, hahaha? Ich spreche aus eigener Erfahrung, meint ihr? So - ganz
schön gemein! Na, ja, vielleicht?
Auch der Spruch: „Heinrich, der Wagen bricht“ wird vom portugiesischen
Prinzen abgeleitet. Das war, als er die Frauen schon aufgegeben hatte,
und neben der Seefahrt nur noch den Süßigkeiten zusprach. Er wurde
durch die ständige Nascherei so schwer, dass die Kutschen verstärkt
werden mussten, um die königliche Fracht auch unversehrt am
Bestimmungsort ankommen zu lassen.
Nein, Leute, mit der berühmten Prinz Heinrich-Mütze - auch Helgoländer
Lotsenmütze genannt - hat der Infant von Portugal nichts zu tun.
Ausnahmsweise! Oder doch? Ich kann mich an eine Begebenheit erinnern,
als ich als Jungspund eine Saison lang als Animateur auf Helgoland
weilte. Damals - mein Gott, wie lange ist das schon her - befand sich
unter den Gästen ein ziemlich fülliger Prinz aus Portugal, der einem
Helgoländer Lotsen - natürlich nur versehentlich - beim Spiel mit Pfeil
und Bogen, die Mütze vom Kopf geschossen hatte. Der Lotse, ich glaube,
er hieß Achmed Abu Flötenkiepe, hatte danach einen neuen Scheitel, und
der Prinz durfte als Wiedergutmachung die Mütze des Lotsen zu einem
horrenden Preis, natürlich mit einem eingerechneten Schmerzensgeld,
kaufen. Diesen Prinzen - es kann Heinrich der Seefahrer gewesen sein,
ich bin mir nicht mehr ganz sicher - sah man danach nur noch
triumphierend mit der erbeuteten Mütze herumlaufen. Oder habe ich da
etwas verwechselt? Kommt es zeitlich überhaupt hin? Ach, was soll die
Rechnerei. Es ist schon so lange her.
Die königliche Familie Heinrichs entstammte dem Hause Avis. Und das
führt zwangsläufig wieder zu einer Verbindung zur Seefahrt und zum
Handel, denn ein Avis bzw. eine Avisierung ist eine Ankündigung, die
zum Beispiel die Ankunft einer Ware beim Empfänger voranmeldet.
Heinrich begann im Herbst seines Lebens mit den Eingeborenen der
entdeckten Länder Handel zu treiben. Neben Caramelo wurden natürlich
auch Glasperlen inkl. der beliebten Glasaugen, die damals als Murmeln
sehr begehrt waren, Strumpfhalter und Läusekämme exportiert. Um seine
überseeischen Handelshäuser rechtzeitig über die Warenströme zu
informieren, sandte Heinrich der Seefahrer einen Brief über den Inhalt
und die voraussichtliche Ankunft der Ladung - mit dem Siegel der
Familie Avis - schon mit einem früheren Schiff voraus. Dieses System
wurde perfektioniert und setzte sich bald in der gesamten
Handelsschifffahrt durch. Der Begriff Avis oder Avisierung war geboren.
So wurde die erste Karavelle gebaut, die Entdeckungsfahrten zu
unbekannten Welten nahmen ihren Anfang, und erstmals wurde ein Avis
ausgesprochen.