Die
Bezeichnung Gabelstapler (kurz: Stapler, englisch: Forklift) rührt
nicht daher, daß ein Gerät, ausgestattet mit Gabeln, Lasten
stapelt, sondern ist ein Produkt sprachlicher Vergewaltigung. Der
Begriff Gabelstapler erscheint logisch. Er stapelt mit Hilfe von
Gabeln Lasten! Vollkommen richtig, aber die Ursprungsbezeichnung ist
nicht korrekt. Und warum das so ist, will ich Euch nun erklären.
Im
Hafen wird spaßeshalber der Gabelstapler auch Stabelgabler genannt,
und das ist – Ihr werdet mir wahrscheinlich nicht glauben – der
richtige, ursprüngliche Name dieses Geräts. Wie aus Stabelgabler
Gabelstapler wurde ist mir leider nicht bekannt, aber den Erfinder
des heutigen Gabelstaplers habe ich persönlich kennen gelernt. Es
war der Pfarrer Gotthold Maria Stabel von der St. Blasius-Gemeinde zu
Visselhövede, der mir anläßlich der Vermählung meiner Cousine
zweiten Grades, Meta Schmeckebier aus Spieka, mit dem
Fußlappenfabrikanten Karl Pilzmeier aus dem Mecklenburgischen,
seinen gerade fertiggestellten Stabelgabler vorführte. Er nannte ihn
damals noch Stabelheber, aber ich überzeugte ihn davon, daß das
phänomenale Gerät eigentlich nur Stabelgabler heißen könnte, denn
die zwei sich hoch und runter bewegenden Metallteile sahen wie
überdimensionierte Gabeln aus, und hatten - wie sich jeder
vorstellen kann - eigentlich annähernd auch den gleichen Zweck
wie eine zum Essen benötigte Gabel. Außerdem dachte ich an Karl
Pilzmeier, den ich bereits einmal beim Essen beobachten konnte, und
wo mir gleich durch den Kopf schoß, daß dieser Mann normalerweise
eine größere Gabel nötig hätte, denn er war ein ziemlicher
Grobmotoriker, dem laufend, egal ob Fleisch, Gemüse oder Kartoffeln,
alles wieder von der Gabel fiel. Stark kurzsichtig schien er auch zu
sein, aber das hat mit dieser Geschichte rein gar nichts zu tun. Also
vergessen wir nun Karl Pilzmeier, dessen zweiter Vorname
lustigerweise Gernegroß war, und meine Cousine Meta und schauen wir
wieder auf die famose Erfindung Pfarrer Gotthold Maria Stabels.
Es war
übrigens Anfang September im Jahre des Herrn 1731, als der Pfarrer
in Visselhövede von der St. Blasius-Gemeinde diesen praktischen
Heber mit den zwei Gabeln erfand, die dank eines integrierten
Flaschenzuges Lasten bis zu 100 kg Gewicht in eine Höhe bis zu drei
Metern heben konnten. Der Prototyp hatte wohl eher das Aussehen eines
Rollwagens, aber für Pfarrer Stabel bedeutete er alles.
Er
benötigte diesen Stabelgabler um in seine Kanzel zu gelangen, denn
die Treppe dorthin war vor kurzem von marodierenden Ministranten
zerstört worden, und eine Leiter konnte er nicht benutzen, da er
unter einer schweren Gicht litt. Der Kirchendiener Arnulf Hüftlein,
der zu Füßen der Kanzel den Stabelgabler bediente, wurde zum ersten
Staplerfahrer der Welt.
Noch heute werden die Fahrerkabinen
von Kränen, Baggern, Staplern und Baumaschinen Kanzeln genannt.
Und
es gibt Gabelstapler in allen Größen, und auch sogenannte
Reachstacker, die mit speziellen Geschirr in der Lage sind Container
zu bewegen.
In späteren Jahren erfand dieser findige Pfarrer
viele nützliche Dinge, die noch heute in Gebrauch sind, wie zum
Beispiel das Haarnetz und das Haargel.
Pfarrer Gotthold Maria
Stabel hatte die Angewohnheit bei seinen flammenden Predigten, um
seinen Worten Nachdruck zu verleihen, seinen Kopf hin und her zu
werfen, und sein langes, wallendes, weißes Haar flog dabei wie wild
um seinen Kopf, und manchmal passierte es, daß sein schönes Haar in
seinen buschigen Augenbrauen hängen blieb, was ihn wiederum dabei
behinderte, seine Gemeindemitglieder bei seinen religiösen
Belehrungen scharf in die Augen zu blicken. So erfand er das
Haarnetz. Er stellte es selbst her und veräußerte es zu Gunsten
einer Kollekte – ich glaube sie hieß damals: Wider der
menschlichen Einfalt und hin zu Gott – an seine Gemeindemitglieder.
Bald wurde es zu einem Verkaufsschlager und fast alle Damen – nicht
nur aus Visselhövede – trugen Haarnetze des Pfarrers, der sich
darüber natürlich sehr freute, besonders wenn er an die Kollekte
dachte, die hauptsächlich der gemeindenahen Anstalt Gefallener
Mädchen e.V. zu Gute kam. Die Anstaltsleiterin Brombeeria Beisser
war eine der größten Fans – wie man heute sagt – des Pfarrers,
der dank seiner flammenden Predigten und seiner engagierten Reden in
der Gemeinde viele Bewunderer hatte.
Aber als er ständig die
Damen seiner Gemeinde mit den Haarnetzen sah, und er der einzige Mann
war, der ebenfalls ein Haarnetz trug, auch wenn er es nur während
der Gottesdienste benutzte, empfand er seine Erfindung doch als zu
weiblich, und er produzierte das erste Haargel. Eine geheime Tinktur,
dessen Inhaltsstoffe er niemals preisgeben sollte. Als Student in
Paderborn hatte er neben der Theologie auch einige Jahre Vorlesungen
über Chemie besucht, und die daraus gewonnenen Erkenntnisse setzte
er nun in die Tat um. Aber wie sollte es anders sein, die Bezeichnung
Haargel ist ebenfalls nicht die richtige. Pfarrer Gotthold Maria
Stabel nannte seine Erfindung Haargelb, da es sein wallendes weißes
Haar gelb verfärbte. Er nahm es gerne in Kauf, denn sein Haar klebte
nun förmlich an seinen Kopf, und er konnte sein Haupt hin und her
werfen, ohne das es seinen Blick beeinträchtigte, wenn er oben auf
seiner Kanzel stand, und der Gemeinde Geschichten aus der Bibel
vortrug oder soziale Mißstände in der Stadt beanstandete.
Als
später der Chemiker Ingbert Schwarzkopf die Gelbtönung aus der
Tinktur herausfiltern konnte, wurde aus dem Haargelb das Haargel.
Angeblich weil Schwarzkopf ´s Verlobte Angela hieß, die er
liebevoll nur seine Gel nannte. Übrigens soll die spätere Angela
Schwarzkopf fettiges Haar gehabt haben, so daß sie niemals das nach
ihr umbenannte Haargel benutzte.
Noch heute erinnern sich die
Visselhöveder gerne an Pfarrer Stabel, der ihnen noch zu Lebzeiten
seine Haarnetz-Produktion vermachte. Und das Haarnetz Marke „Gotthold
forever and ever“ ist seit Jahrzehnten der Marktführer.
So
wurde der Gabelstapler, das Haarnetz und das Haargel erfunden.
Oder
so ähnlich. Nicht wahr?